литературный журнал

Berlin.Berega №3 (2/2016)

Die dritte Ausgabe von «Berlin.Berega» eröffnet mit je einer Gedichtsammlung von Maria Zwick und Anastassija Jurkewitsch. Die erste trägt den Titel «Auf dem Weg», die zweite heißt «… Einfach weil die Sterne hier nicht leuchten».

Marina Stepnova (Moskau), eine hoch begabte russische Autorin, Verfasserin des in Russland preisgekrönten und ins Deutsche übersetzten Romans «Die Frauen des Lazarus», stellt sich mit einem Auszug aus ihrem neuen Buch vor. Das Fragment ist «Der russische Schnee» betitelt; da jedoch das Buch als Ganzes noch unveröffentlicht ist, lässt sich noch kein Titel zitieren. In dem Fragment geht es um den Deutschen Georg Mosel, geboren 1571. Mosel war Arzt von Beruf. Sein Schicksal blieb für immer mit Moskau verbunden. Bis zum letzten Tag seines Lebens liebte er den russischen Schnee …

Die Dichterin und Fachredakteurin für Poesie der Literaturzeitschrift «Berlin.Berega» Genia Markova (Berlin) publiziert ihre Erzählung «Das Jahr des Affen». Darin beschreibt Markova die Ereignisse, die sich in Köln während der letzten Silvesternacht zugetragen haben. Die Erzählung ist eine literarische Besinnung auf die Wirklichkeit. Alles beginnt damit, dass die Protagonistin Anja mit ihrem Freund Markus plant, die Silvester am Kölner Hauptbahnhof zu feiern.

Das dritte Heft von «Berlin.Berega» präsentiert auch einen Auszug aus dem Buch des Berliner Schriftstellers und Publizisten Dmitrij Belkin. Es geht um den Roman «Germanija», in dem Belkin seine Erfahrungen mit der Übersiedlung nach Deutschland erzählt. Wir veröffentlichen daraus das Kapitel mit der Überschrift «Brief an einen fortgeschrittenen Einwanderer». Dort wendet sich Belkin an einen fiktiven Immigranten und gibt ihm verschiedene teils seriöse, teils ironische Ratschläge. Der Text erscheint in zwei Sprachen!

Es folgen zwei weitere Gedichtzyklen: von Michael Scherb aus Dortmund und Valery Matetsky aus Berlin. Die von Scherb heißt «Elegien für FreundInnen», die Sammlung von Matetsky trägt den Titel «Der glühende Pfau».

Ein weiterer Autor aus Moskau, Ildar Abusjarow, erzählt die Geschichte des jungen Martin, der in Berlin-Wedding lebt. Er stammt aus dem tatarischem Dorf Kukmor, doch das Schicksal verschlägt ihn nach Deutschland. Als er die Bekanntschaft einer alten Frau macht, entwickelt sich daraus eine ganz ungewöhnliche Beziehung.

Alexander Kramer aus Hamburg ist mit dem kleinen Zyklus «Fragmente aus dem deutschen Leben» vertreten. Diese Prosa ist eine leise Art von Literatur, doch kann man den Text auch als eine Art Spiegel betrachten. Kramer analysiert sein neues Leben — und zumeist stellt man fest, dass es ihm recht gut geht.

Die bekannte Poetengruppe «Sapad naperjod» («Westen verkehrt») besteht aus drei Berliner Autoren: Dmitrij Dragilew, Il y a Ryvkin und Sergej Sturz. Jeder von ihnen stellt sich mit einer kleinen Sammlung vor. Gemeinsam beschreiben sie, was die Gruppe ist und worum es ihr überhaupt geht.

Die in der zweiten Ausgabe von «Berlin.Berega» begonnene Rubrik «Debüt» lebt weiter. Dieses Mal stellen sich drei weitere Autorinnen aus Berlin vor. Die Heldin der Erzählung «Der letzte Flug» von Dascha Edler fliegt zurück in ihre Heimat, und zwar aus einem ganz schlimmen Grund. Im Übrigen fragt sie sich: wieso feiert man eigentlich die Geburtstage verstorbener Menschen?

Die Autorin Anait Sagoyan lässt in ihrer Erzählung «Ich und meine drei Schatten» den Protagonisten Zeuge eines Brandes werden und über verschiedene philosophische Fragen diskutieren. «In den anderen hassen wir uns selbst», schreibt Sagoyan.

Daria Rubo erzählt in seiner Kurzgeschichte «Leopard» von der Beziehung einer jungen Frau zu einem norwegischen Junkie.

Daria Bobrovskaya leitet in Berlin den kleinen Literaturkreis ÜberDichter. Seine Mitglieder übersetzen wechselseitig ihre Gedichte. In ihrem kurzen Beitrag beschreibt Bobrovskaya die Erfahrungen, die sie als Leiterin dieses Kreises macht. Der Text enthält zahlreiche Beispiele in zwei Sprachen.

In der Rubrik „Übersetzungen“ werden auch Gedichte des zeitgenössischen Lyrikers und Essayisten Gerhard Falkner vorgestellt. Drei sogenannte Ignatien hat Elena Radjeshwari (Berlin) ins Deutsche übersetzt.

Grigorii Arosev, Chefredakteur von «Berlin.Berega», hatte die Gelegenheit, die bekannte lebende russische Prosaistin Ludmila Ulizkaja zu interviewen. Ulizkaja erzählt unter anderem über «ihr» Deutschland. «Das größte Glück meines Lebens ist, dass mein erstes Buch erschien, als ich 50 war. Ich war erwachsen genug. Die Hauptsache war, dass ich keine Ansprüche auf eine große Literaturkarriere stellte», so Frau Ulizkaja.

Vadim Fadin, Altmeister des russischsprachigen Berlins, stellt seinen Kurzessay «Das Thema der Grenze in der Literatur» vor. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland arbeitete er an einem Buch mit dem russischen Titel «Чертa». Dieser Begriff hat zwei Bedeutungen, und der Autor stellt fest, dass kein deutsches Wort existiert, mit dem man beide Bedeutungen wiedergeben könnte. Es kann sowohl «Strich» als auch «Grenze» heißen. Diese Feststellung inspirierte Fadin zu einem seiner spannendsten Essays.

Viktor Fischman (Hamburg) informiert die Leser von «Berlin.Berega» über den Dichter Ivan Goll — Wanderer zwischen drei Sprachen und mehreren Ländern. Goll schrieb über sich selbst: «Ich bin Jude durch Schicksal, Franzose durch Zufall, Deutscher durch ein Papier mit Stempel». Goll hat die beiden Weltkriege überlebt und ist bis heute nicht hinreichend bekannt. «Hoffen wir, dass die Poesie Ivan Golls die Herzen der russischen Leser erreicht», schreibt Fischman.

Die Übersetzerin und promovierte Philosophin Julia Wischke aus Berlin schreibt über die russischen Philosophen, die 1922 aus der Sowjetunion vertrieben wurden. Ein Dialog zwischen ihnen und den deutschen Philosophen blieb jedoch fast ganz aus. Man sollte meinen, dass zwei Kulturen, die über gleiche Themen verfügen, in engem Kontakt miteinander stehen müssten, was in der Wirklichkeit jedoch nicht der Fall ist: jede Kultur kommuniziert nur mit sich selbst und nutzt die andere lediglich als Mittel, um sich selbst besser zu verstehen.

Im Hanser Verlag ist der Roman «Dampschiff nach Argentinien» von Alexei Makushinsky erschienen. Seine Erzählung «Ostergo» erschien im 2. Heft von «Berlin.Berega». Im 3. Heft bespricht Eduard Lurje, Übersetzer von Beruf und Fachredakteur bei «Berlin.Berega» für Übersetzungen, die russische Version von «Dampschiff nach Argentinien». Dieses Buch erschien erst 2014.

Gleichzeitig rezensiert Elisabeth Simon, Inhaberin und Leiterin des Simon Verlages, die deutsche Version seines neuen Buches. Aufschlussreich sind die Parallelen und Unterschiede in der deutschen und der russischen Version der Besprechungen.

Zinoviy Sagalov, Dramatiker aus Augsburg, ist mit dem kleinen Spiel «Ein Requiem mit Sekt und Austern» vertreten. Es handelt sich um ein doppeltes Theaterstück: einerseits geht es um die theatralische Form, andererseits widmet Sagalov den Text Anton Tschechow, einem von größten Dramatiker der Welt. Das ganze Theaterstück ist ein langer Monolog von Olga Knipper-Tschechowa, der ersten und letzten Ehefrau Tschechows. Sie erzählt die vollständige Geschichte ihrer Beziehung …

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